Editorial 3: Wie kommst Du bloß auf die Idee mit dem Stoff-Shop?

Als kleines Mädchen mit Zöpfen verbrachte ich viele Nachmittage bei meiner Mutter in der „Nähstube“. Besser gesagt, im zur Nähstube umfunktionierten Wohnzimmer. Meine Mutter war Schneidermeisterin und kleidete ihre drei Kinder gerne in Selbstgenähtes. Sie wollte eigentlich Modezeichnerin werden, was sie ganz toll konnte (s. Zeichnung rechts), und entwarf auch selbst Schnittmuster. Ihre eigene Schneider-Werkstatt hat sie nach der Heirat aufgegeben und wurde zur fleißigen Hausfrau und Mutter. Das Nähen blieb ihre Leidenschaft und hat sie für vieles entschädigt, glaube ich. Ihre Puppenkleider waren soooo schön. Das Hochzeitskleid mit Spitze und rosa Schärpe für meine große Stehpuppe habe ich immer noch.

Nadelsalat – hm, lecker…

Alles fing damit an, dass ich, als ich noch im Laufstall saß, eine ganze kleine Handvoll Nadeln aß. Richtig gelesen – Nadeln, nicht Nudeln. Der Überlieferung zufolge holte die Oma geduldig jede einzelne Nadel aus dem brüllenden Kindermund heraus, während die Mutter sich die Ohren zuhielt. Oder so ähnlich. Daran kann ich mich zum Glück nicht mehr erinnern. Sehr wohl aber an die Nähnachmittage mit meiner Mutter: sie gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Genau wie die herrlichen Schachteln und Dosen voller Knöpfe, Reißverschlüsse und Garnrollen, mit denen ich stundenlang spielen konnte.

Vom Profi lernen

So ganz nebenbei habe ich auch das Nähen gelernt. Erst durfte ich nur zugucken, dann Schnittmuster aufzeichnen, Heftfäden aufschneiden, dann selbst heften. Dann auf der gusseisernen Pfaff mit Tretpedal meine erste gerade Naht nähen…  Und so ging es weiter über das Säumen, Verstürzen von Krägen, Knopfloch- und Kappnaht-Nähen bis zum Pikieren von Revers und dem Staffieren von Futter. Meine Mutter ist eine versierte Handarbeiterin, die bis ins hohe Alter nicht nur nähte, sondern auch strickte, häkelte, stickte – wunderschöne Hardanger- und Richelieu-Decken – und sich noch spät das Seidenmalen als semiprofessionelles Hobby erschlossen hat. Von ihr habe ich viel gelernt.

Lange Durststrecke

Gestrickt habe ich unzählige Pullover, Mützen, Handschuhe, Socken und kilometerlange Schals, auch gerne im Pädagogik-Seminar während meines Lehramts-Studiums. Und ab und zu mal einen Mantel, ein Kleid oder einen Rock für mich selbst genäht, ohne darüber nachzudenken, was ich da eigentlich Tolles tat und konnte. Dann gerieten Nähen und Stricken irgendwie in Vergessenheit. Ich glaube, in den 90er Jahren gab es nichts, was so „unsexy“ war wie Handarbeiten. Ein Wollladen nach dem anderen machte zu. Die Stoffabteilungen in den Kaufhäusern wurden immer kleiner und verschwanden schließlich ganz, wie die meisten Stoffläden. Ja und ich – ich hatte auch anderes zu tun: den Job fürs Leben, den Mann fürs Leben suchen… Den Mann habe ich gefunden. Den Job lange nicht. Die ersten 15 Jahre lernte und arbeitete ich an der Uni, dann erschloss ich mir mit PR und Kommunikation einen neuen Beruf, der mich die nächsten 15 Jahre in Beschlag nahm.

Das Nähen kehrt zurück

Und mittendrin wurde ich schwanger. Da fiel mir wieder was ein… wie ging das noch? Ich lieh mir die elektrische Nähmaschine meiner Schwiegermutter und nähte die Wiegengarnitur fürs werdende Kind, aus orangefarbener Baumwoll-Lochspitze. 2006 wurde mein Sohn geboren, und ich entdeckte das Nähen neu. Und das Stricken, und das Häkeln… Herrlich, welche Welt sich mir da wiedererschloss. Nicht nur die ganze wunderbare heile Babywelt, die mittlerweile schon wieder über 10 Jahre zurückliegt, sondern auch die Freuden des Nähens. Mein Söhnchen wuchs, und meine Kreativität auch: Ich entwarf eine ganz eigene Mützenform, die er heute noch trägt (aus Jersey mit Nicki gefüttert, in einer halben Stunde genäht – sehr praktisch, weil doch öfter mal eine verloren geht) und Pullover, Schlafanzüge, Sweatshirts und Kapuzenjacken mit Namensschriftzügen und tiefen Taschen. Dazu kam der Austausch mit anderen Kita- und Grundschulmüttern, und das Erstaunen und die Freude darüber, wie doch das Nähen als Hobby langsam zurückkehrt.

Do what you love – love what you do

Als ich vor der Frage stand, wie es beruflich weitergehen soll, da hatte ich eine Eingebung. Nicht sofort, es bedurfte einer Zeit des Zu-Sich-Kommens und In-Sich-Hinein-Hörens. Und dann war sie plötzlich da, die Idee, die mich und meine Familie bis heute in Atem hält: Könnte ich meine langjährige E-Commerce-Erfahrung mit meiner Liebe für Stoffe verbinden? Ich fing an, meine Vorstellungen aufzuschreiben. Auf einmal wurde daraus ein Business-Plan. Und dann blieb ich dran, und machte einfach weiter, immer weiter. Es gab so viel zu tun und zu bedenken: Das Lager organisieren, den Shop aufbauen, den Papierkram in den Griff kriegen… Als der erste Karton mit Stoffballen – von Lillestoff! – geliefert wurde, war das ein Fest. Wenn ich heute an meinem wunderschönen, von meinem Mann gebauten Zuschneidetisch stehe, freue mich über jeden Zentimeter Traumstoff, den ich an Euch, liebe Kundinnen, verschicken darf. Und ich hoffe, Ihr freut Euch, wenn Ihr sie auspackt und vernäht!

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  • Wunderschön!

    Liebe Bettina, Deine Geschichte rührt mich sehr an und ich kann Deine Begeisterung für das Nähen richtig erspüren - wie wunderschön, es freut mich sehr, dass Du Deine Herzensangelegenheit hier verwirklichen konntest. Viel Erfolg weiterhin!

  • Ich bin begeistert!

    Liebe Bettina,
    ich bin begeistert von diesem durchdachten und wunderschönen Shop. Du machst bestimmt das Richtige und ich wünsche Dir ganz viel Glück und Erfolg! Da bekomme sogar ich Lust, mit dem Nähen anzufangen.:)
    Herzliche Grüße,
    Lorraine