Jersey oder Webware – das ist hier (keine!) Frage

Baumwoll-Webware und Jersey Hand in Hand – die beiden niedlichen Mädels in den Werken von Claudia (@Fraulula) auf dem Foto machen es vor. Die kleinere trägt ein Kleid nach dem lillesol&pelle-Schnitt „Frühjahrstunika“ (basic No. 42) aus der Baumwoll-Popeline Mermaid Border. Die Tunika der Größeren hat Claudia aus Anemone Ocean genäht, auf Grundlage des gleichen lillesol&pelle-Schnitts, diesmal aber für Jerseystoffe (basic No. 41). Welches Kleid ist schöner? Na????

Ich kann mich nicht entscheiden. Und so geht es mir auch mit der Frage, ob ich lieber Jersey nähe oder Webware. Jerseystoffe, besonders für Kinder, haben in den letzten Jahren einen ungeheuren Boom erfahren. Ist ja auch klar  – sie sind weich und bequem, bewegungsfreundlich – gerade für Kinder wichtig – lassen sich gut waschen und im Trockner trocknen und frau braucht sie nicht zu bügeln. Weshalb ich z.B. total auf Jersey-Bettwäsche stehe :-)

Folglich gibt es kaum noch ein Nähzimmer, in dem nicht neben der „normalen“ Nähmaschine mindestens eine Overlockmaschine steht. In letzter Zeit häufen sich die Beispiele in meiner Bekanntschaft, wo der Maschinenpark um einen Coverlock erweitert wird. Den Vogel schoss kürzlich auf dem Deutsch-Holländischen Stoffmarkt in Münster die Dame vom Verkaufsteam einer hochwertigen Nähmaschinen-Marke ab mit der Aussage: „Nee, eigentlich brauchen Sie 4 (in Worten: VIER) Maschinen – nämlich noch eine, die stickt!“

Naja, warum nicht? Ein Hobby kann ruhig was kosten, da haben die meisten Frauen noch was nachzuholen. Und ich liebäugele auch schon mit einer bestimmten Overlock… ist ja auch fürs Versäubern von Webware manchmal gut zu gebrauchen. Ich gebs zu: Nachdem ich eine mit Jersey gefütterte Nicki-Kapuzenjacke, mehrere Jersey-Pyjamas und ein Sweatshirt für meinen Sohn genäht hatte, hab ich mich gefreut, einen „ganz normalen“ Baumwoll-Webstoff unters Füßchen zu kriegen. Schon beim Zuschneiden wurde ich froh – es blieb Stoffkante auf Stoffkante, das Nähen ging ohne Kräuseln und Verrutschen vonstatten. Aber dann standen sie an, die Briefecken beim neuen Tischtuch: Was klapp ich noch mal wie um? Wieso treffen trotz aller Bügelkunst die inneren Kanten nicht aufeinander? Hmpf…

Und schon sind wir mitten drin, im Glaubenskrieg. Die gewieften Jersey-Näher/innen halten Webwaren-Näher/innen für altmodisch, pedantisch, für zugeknöpfte Blusen- oder Hemdenträger, die gerne Krägen und Tischdecken nähen und – o Graus – am Ende auch noch stärken! Bestenfalls gestehen sie ihnen so etwas wie zeitlose Eleganz zu. Die Webwaren-Verfechter/innen hingegen blicken mit hochgezogenen Augenbrauen auf die „Schlafanzug-Näher“ herab, billigen Jersey allenfalls Kinderkramstatus zu, bügeln Säume auseinander statt sie wulstig zusammenzucovern – natürlich aus Haltbarkeitsgründen - und meditieren über komplizierten Schnittmustern. Soweit die Vorurteile….

Findet Ihr Euch da – auf einer der beiden Seiten – wieder? Ich hab in letzter Zeit bei Insta und anderswo so machen Post gelesen nach dem Motto: Auch Webwaren können schön sein, wollen wir es nicht mal wieder versuchen? Selbst die Hersteller wagen sich zaghaft aus der Deckung und stellen neue Kollektionen vor, wie zum Beispiel Julia von Swafing oder Pirouetta und Papillon von Hilco. Das sieht mir doch ganz nach einer Renaissance der Webware aus. Auch in dieser Hinsicht bin ich gespannt, welche Trends wir auf der H+H in Köln erleben werden.

Einstweilen bleibe ich bei meinem Credo: mit Jersey und Webware verhält es sich so ähnlich wie mit Beruf und Kindern. Wenn man/frau von einem zu viel hat, ist das andere die reine Erholung!

Tags: Webware, Jersey
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