Lyocell, Tencel – was kann der neue Naturstoff?

Die Begriffe Lyocell oder Tencel hast Du vermutlich schon öfter gehört und gelesen, oder sogar schon Tencelstoffe vernäht. Vielleicht war Dir - wie mir - bisher nicht klar, was genau damit gemeint ist. Ich habe einige Fragen & Antworten zu diesem wunderbar seidigen Stoff zusammengestellt. Ergänzungen trage ich laufend nach.

Was ist Lyocell?

Lyocell bezeichnet eine „man-made“, also künstlich hergestellte Zellulosefaser. Manchmal begegnet auch der Begriff „Regeneratfaser“. Lyocell ist eine seidenartige Kunstfaser, die auf Basis natürlicher Rohstoffe, nämlich aus Holz, industriell hergestellt wird. Ähnlich wie Viskose – aber viel umweltschonender. Der Hersteller Lenzing gibt seiner Faser das Etikett „botanischen Ursprungs“. Zum Vergleich: Baumwolle oder Leinen sind ursprüngliche Naturprodukte, also Pflanzen, die als Fasern wachsen, geerntet und dann weiterverarbeitet werden.

Sind Lyocell und Tencel dasselbe?

Im Grunde ja. Lyocell wird bisher ausschließlich von dem österreichischen Unternehmen Lenzing AG hergestellt und von dieser Firma unter dem Markennamen Tencel® vertrieben.

Warum gilt Lyocell als umweltverträglich?

Weil sowohl beim Anbau des Rohstoffs als auch bei der Verarbeitung natürliche Ressourcen geschont werden. Außerdem wird bei der Herstellung weniger Chemie als bei anderen Fasern (Viskose, Baumwolle) eingesetzt. Deshalb hat die Herstellung der Lyocell-Faser insgesamt einen geringen CO2-Fußabdruck:

  • Die Zellulose für die Faserherstellung liefert Holz, kommt also aus nachwachsenden Rohstoffen. Dieses stammt zum großen Teil aus europäischen Wäldern – und hier besonders aus übriggebliebenem Holz, das nicht für den Möbelbau geeignet ist. Die Firma Lenzing kauft auch Zellulose bei außereuropäischen Partnern ein, vor allem solche aus Eukalyptus, aber auch aus Buchenholz, Fichten-, Birken- und Pinienholz
  • Mehr als 99 Prozent des Holzes kommt nach Angaben von Lenzing aus nachhaltiger Forstwirtschaft
  • Das Wasser, die Lösungsmittel und anderen Chemikalien, die beim Produktionsverfahren eingesetzt werden, werden wieder in den Herstellungsprozess zurückgeführt, laufen also in einem (nahezu) geschlossenen Kreislauf. Bei Lenzing heißt es dazu: „In der besonders umweltschonenden Lyocell-Produktion wird nur das organische Lösungsmittel NMMO zum Auflösen des Zellstoffs verwendet. Bei dieser wertvollen und teuren Chemikalie beträgt die Rückgewinnungsrate mit Lenzing Technologie mehr als 99 Prozent.“
  • Holz benötig zum Wachsen keine künstliche Bewässerung, und es werden keine Pestizide in dem Umfang eingesetzt wie z.B. bei konventioneller Baumwolle. Auch beim Herstellungsprozess der Faser wird nur ein Bruchteil des Wassers verbraucht, das für die Produktion zum Beispiel von Viskose draufgeht
  • Die Faser – und damit auch der Stoff daraus – ist biologisch abbaubar, daher kompostierbar.

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Was ist das Besondere an Lyocell?

Stoffe aus Lyocell fühlen sich nicht nur außergewöhnlich weich, glatt und kühl an (wirklich wahr), sie haben auch noch jede Menge andere gute Eigenschaften:

  • Lyocellfasern nehmen bis zu 50 Prozent mehr Feuchtigkeit auf als Baumwolle. Das macht sie zum idealen Material für Sportkleidung, Unterwäsche oder Nachtwäsche – und auch für Sommerkleidung
  • Außerdem leiten die Fasern die Feuchtigkeit schnell von der Haut weg. Deshalb wärmt Tencelstoff bei Kälte und kühlt bei Hitze – wirkt also wärmeausgleichend und atmungsaktiv
  • Bakterien und Milben finden in Lyocellfasern keinen geeigneten Nährboden
  • Tencelstoffe sind somit besonders gut für Allergiker geeignet
  • Lyocellfasern sind auch in nassem Zustand reißfest, daher langlebig und widerstandsfähig
  • Stoffe aus Lyocell sind farbbeständig und meistens wenig knitteranfällig
  • Oft haben Tencelstoffe einen feinen Glanz oder zumindest einen leicht seidigen Oberflächenschimmer, und sie fallen sehr schön.
  • Stoffe aus Lyocell können gewaschen werden, tw. bis zu 60 Grad Maschinenwäsche, und sind durchaus trocknergeeignet. Bitte aber die jeweiligen Pflegehinweise befolgen! Keine schweren Kleidungsstücke zusammen mit leichten Tencelstoffen in die Waschmaschine geben.

 

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Welche Stoffarten gibt es und wofür ist Lyocell geeignet?

Es gibt wohl keine Stoffart - gewebt, gewirkt, gestrickt usw. - und keine Textilie, die nicht aus Lyocell hergestellt werden kann – von Windeln und Hygieneartikeln über Wischtücher, Medizinprodukte, Sportkleidung, Oberbekleidung, Unter- und Bettwäsche, Bettdecken, Schuhe, Sitzbezüge für Autos, Teppiche bis hin zu Arbeitsschutzanzügen und vielem vielem mehr. Selbst in Hautcremes kann Lyocell vorkommen. Das heißt also: Schon heute begegnet uns diese Faser auf Schritt und Tritt, manchmal ohne dass wir es wissen. Lyocell-Fasern können auch Teil einer Fasermischung sein; sie machen jeden Stoff weicher, atmungsaktiver etc.

Was muss ich beim Nähen von Tencelstoffen beachten? 

Ich empfehle, grundsätzlich jeden Stoff vor dem Nähen zu waschen. Ob Tencelstoffe auch eingehen können, darüber habe ich nichts gefunden. Viskosestoffe können es, und Lyocell ist ja ein ähnliches, wenn auch umweltfreundlicheres Material. Also, für alle Fälle 5 Prozent Einlauf einrechnen. Beim Bügeln ein Tuch zwischen Bügeleisen und Stoff legen, besonders bei zarterem Material, damit die Stoffoberseite nicht zu viel Glanz abgekommt.

Je nach Machart und Fasermix verhalten sich Stoffe aus oder mit Lyocell ganz unterschiedlich unter der Maschine, so unterschiedlich wie Webstoffe und Jersey, Sweat und Strickstoff. Eine Microtex-Nadel kann hilfreich sein, wenn es sich um einen sehr feinen oder dicht gewebten Stoff handelt.

 

Bisher habe ich noch keine dezidiert negativen Kritiken zu Tencel/Lyocell gefunden. Da ich gerne möglichst objektiv an die Sache herangehen will, kann es sein, dass ich hier noch etwas nachtrage. Oder kannst Du dazu etwas sagen?

Wie auch immer, ich freue mich über Feedback!

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