Stoffe vorwaschen – so geht’s

Kennt Ihr das? Neues Stöffchen gekauft und heiß aufs Nähen – halt, erst in die Waschmaschine damit, so schwer auch das Warten ist. Und dann der große Augenblick: Die Trommel geöffnet, Teile rausgeholt – Hiiilfe! Was ist denn hier passiert? Total verknittert, an den Rändern ausgefranst, die Farben sehen komisch aus (der Rest der Wäsche auch), und wie sich nach dem Trocknen herausstellt, ist an den Knicken und Knittern die Farbe verschwunden, so dass der Stoff jetzt lustige weiße Streifen hat, nur an den falschen Stellen. Auf diese Weise endet manche Nählust, bevor sie angefangen hat.

Tja, also besser nicht vorwaschen? So wie es viele Stoffhersteller empfehlen? Besonders beim Jersey hat das Vorteile: der Stoff liegt schön im Stoffbruch bzw. Fadenlauf, ist durch die industrielle Appretur glatt und ein bisschen steifer. So lässt er sich gut zuschneiden und nähen. Nachteile: Wenn sich das fertige Werk nach dem Waschen in ein graues, knittriges Klümpchen verwandelt oder Vorder- und Rückenteil schief sind, war die ganze Arbeit umsonst. Und, ganz wichtig – gerade Hersteller von Biostoffen weisen oft darauf hin: Stoffe mit reinem oder sehr hohem Baumwollanteil können um bis zu 30 Prozent ihrer Fläche einlaufen - da wird aus einer genähten Größe 40 schnell mal 38, aus 92 eine 86 oder gar 80.

Also: Am besten vorwaschen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Mit diesen Tipps solltest Du die Freude an Deinen Stoffen behalten:

  • Das A und O: Augen auf beim Stoffkauf – auf Qualität achten! Es ist einfach schade, so viel Arbeit und positive Energie in ein selbst gemachtes Produkt zu stecken, das nach einer oder zwei Wäschen nur noch zum Putzlappen taugt. Gerade Kinderkleidung muss oft gewaschen werden, deshalb hier besonders wählerisch sein. Abgesehen davon, dass bei sehr günstigen Stoffen ohne Herstellerkennzeichnung immer die Gefahr von schädlichen Rückständen besteht.
  • Auf die Stoffzusammensetzung achten. Hersteller von Textilerzeugnissen sind lt. EU-Verordnung Nr. 1007/2011 verpflichtet, die Faserzusammensetzung der Textilien zu kennzeichnen – also wie viel Anteil Baumwolle, Elasthan, Viskose, Kunstfaser etc. Die Händler müssen sicherstellen, dass die entsprechende Kennzeichnung vorhanden ist. Diese Angaben stehen manchmal an der Webkante, meistens auf dem Etikett oder Wickelbrett. Hier bekommst Du einen ersten Hinweis – ein Stoff aus 100 Prozent Baumwolle muss anders gewaschen werden als einer aus 100 Prozent Polyester.
  • Unbedingt Pflegesymbole beachten! Aufschlussreicher sind die kleinen Wasch- und Pflegesymbole, zu finden ebenfalls an den oben genannten Stellen. Anders als bei der Zusammensetzung ist die Angabe für Hersteller und Händler von Textilien in Deutschland freiwillig. Hersteller von hochwertigen Stoffen geben die Pflegesymbole jedoch in der Regel an – und müssen sich dann an die international gültige Norm ISO 3758:2012 halten. Es gibt fünf Grundsymbole, die stets lückenlos in der vorgeschriebenen Reihenfolge verwendet werden müssen. Die Reihenfolge sieht so aus:

          Reihenfolge-der-Pflegesymbole

Hier ein paar der gängigsten Symbole, die Du als Stoffkäuferin auf jeden Fall kennen und beherzigen solltest:

Waschen_30s-svg Schonwäsche bis maximal 30 Grad. Der Balken unter dem Waschzuber bedeutet schonendere Behandlung
180px-Nicht_bleichen_v2-svg Bleichen nicht erlaubt! Es dürfen auch keine bleichmittelhaltigen Waschmittel (wie z.B. Vollwaschmittel) verwendet werden
180px-Nicht_trommeltrocknen-svg Nicht im Trockner trocknen
180px-B-geln_2-svg Bügeln mit mittlerer Temperatur erlaubt  
180px-Professionelle_reinigung_-P-svg Reinigung mit Perchlorethylen oder wahlweise auch Kohlenwasserstoffen erlaubt

Die Bedeutungen aller Pflegesymbole findest Du hier!

  • Den Stoff schützen! Hersteller von Qualitätsstoffen wie zum Beispiel Hilco empfehlen, die Ränder der Webkanten zusammenzunähen und den „Stoffbeutel“ mit der rechten Seite nach innen zu waschen. Ich verwende immer einen Kopfkissenbezug, der zuverlässig schließt – Stoff rein und ab in die Waschmaschine. Bei Webware, besonders bei Cord, Nicki und anderen stark drieselnden Stoffen, unbedingt die Schnittkanten vor dem Waschen versäubern! Zudem solltest Du den Stoff – auch darauf weist Hilco hilfreich hin – nicht mit schweren, harten Textilien wie Jeans oder Jacken zusammen waschen, um den mechanischen Abrieb zu vermeiden. Waschtrommel nicht zu stark befüllen und nicht staubtrocken schleudern! 800 Umdrehungen pro Minute reichen! Und natürlich ähnliche Farben zusammen waschen – auch zum Schutz der anderen Kleidungsstücke.
  • Feinwaschmittel oder Biowaschmittel verwenden. Es empfiehlt sich – auch später bei den fertigen Kleidungsstücken – für farbige Stoffe ausschließlich Fein- oder Colorwaschmittel zu nehmen. Hersteller von Biostoffen empfehlen oft, Biowaschmittel zu verwenden, da diese garantiert keine Bleichmittel enthalten, die die Farben und Fasern angreifen. 
  • Niemals in den Trockner, leider leider… So praktisch ein Trockner ist, so schlecht ist er für viele Textilien. Sicher hast Du Dich beim Leeren des Flusensiebs schon öfter gefragt, woher nur so viel Staub und Fusseln kommen! Einfache Antwort: Aus den Stoffen. Sie werden mit der Zeit immer dünner, die Farben verblassen und werden stumpf. Also, so schwer es fällt: Bedruckte, farbige Stoffe aller Art und am besten auch alle selbstgemachten Kleidungsstücke daraus auf dem Wäscheständer oder, wenn möglich, an der guten alten Leine an der frischen Luft trocknen – Außenseite nach innen.


Bei Webware aus Baumwolle - Popeline zum Beispiel, Batist oder glatter Baumwollstoff in Leinwandbindung - kann es hilfreich sein, die Stoffe im Anschluss an das Waschen leicht zu stärken. Dadurch lassen sie sich besser verarbeiten. Und zum Schluss: Bügeln Bügeln Bügeln! Dann liegt der Stoff wieder – frisch duftend – glatt und verheißungsvoll vor Dir auf dem Zuschneidetisch.

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