Trendfarben Herbst 2017

Vor zwei Jahren hatte ich in Bilbao ein einzigartiges Farberlebnis: In einem altehrwürdigen Stoffgeschäft lagen auf drei Etagen in Holzregalen bis unter die Decke Stoffrollen über Stoffrollen, Stoffballen über Stoffballen – nach Farben sortiert. Seither lebt dieses Bild in mir. Stoffe faszinieren mich eben auch wegen ihrer Farben. Im Muster eines einzelnen Stoffs, in ausgewählten Kombinationen, im zufälligen Farbspiel gestapelter Stoffballen – mal regenbogenartig abgestuft, mal Ton-in-Ton, mal knallbunt kontrastiert, mal pastellig. Wenn ich den Stoff kaufe, nehme ich nur ein klitzekleines Stück davon nachhause mit. Aber immerhin, es ist Teil der ganzen Farbpalette und erinnert mich daran.

Wer legt die Farbtrends fest?

Ganz klar sind Stoffe zum Selbernähen auch Mode- und damit Farbtrends unterworfen. Ich habe mich immer schon gefragt, wer die eigentlich bestimmt, und mal recherchiert. Zweimal im Jahr findet die New York Fashion Week statt – im Februar und im September. Jeweils danach veröffentlicht das renommierte Pantone Colour Institute seinen Fashion Colour Report für die kommende Saison. Die Pantone-Farbexperten bewerten die von den Modedesignern gezeigten Farben und stellen die 10 wichtigsten in ihrem Bericht zusammen. Die Farbtrends werden also nicht einfach „diktiert“! Sie werden auf der Grundlage bestehender Trends quasi „herausgefiltert“. Der Colour Report seinerseits verstärkt diese Trends, weil Grafiker, Designer, Mode- und eben auch Stoffdesigner weltweit sich an dieser Auswahl orientieren.

Was ist nochmal Pantone?

Ihre Autorität beziehen die nordamerikanischen Farbpäpste vom Pantone Colour Institute aus der jahrzehntelagen Arbeit an der Standardisierung von Farben. Seit den frühen 60er Jahren steht Pantone für ein Bestimmungssystem, mit dem Farben anhand von Nummern eindeutig identifiziert werden können. Vor allem für Grafiker und Drucker ist das eine wertvolle Hilfe, denn Rot ist eben nicht gleich rot, grün nicht gleich grün - Farben werden von jedem Menschen unterschiedlich gesehen und interpretiert.

Der gute alte Pantone Farbfächer

pantone-f-cher-kleinUm Farbvorstellungen „objektiv“ zu übermitteln, ist der berühmte Pantone-Farbfächer heute unverzichtbar. Du wünschst Dir ein Arancazitronenpuddinghellgelb für eine Wand in Deiner Küche? Und Vorhänge in limetteninnendrinblassgrün? Der Baumarktmitarbeiter, der Maler oder Innenausstatter wird Deinen poetischen Erklärungsansätzen nicht lange folgen, sondern seinen Farbfächer zücken. Du wählst die passende Farbnummer und kannst sicher sein, dass Wandfarbe und Gardinen in „Deiner“ Farbnuance geliefert werden. Dank Pantone ist der Umgang mit numerisch codierten Farben für uns heute selbstverständlich. Es gibt auch noch andere Systeme – CMYK (Abkürzung aus Cyan, Magenta, Yellow, Key) für den Vierfarbdruck, RGB (RotGrünBlau) für die Darstellung auf Monitoren und Displays, RAL und HKS – aber Pantone ist und bleibt der weltweit anerkannte Standard, der mit über 3000 die meisten Farben identifiziert hat.

 

Die aktuellen Trendfarben für die Herbst-/Wintersaison

Erstmalig für die Herbstsaison 2017 hat Pantone seinen Colour Report nicht nur auf der Grundlage der Fashion Week in New York, sondern zusätzlich auch der London Fashion Week erstellt. Herausgekommen sind zwei Farbpaletten (s. Foto), die sich in Nuancen unterscheiden.

Da sind die Rot-, Rosa-, Orange- Kupfer- und Erdtöne: Flame Scarlett und Grenadine für das in diesem Herbst allgegenwärtige kräftige Rot, Tawny Port (Dunkler Portwein) für ein Bordeaux, das vielfach mit Rot kombiniert wird. Dann Rosa in den Nuancen Primrose Pink – auf Deutsch hört es sich mit „Primelpink“ nicht ganz so gut an - und Ballet Slipper, die ebenfalls toll zu Bourdeaux passen. Das warme Orange Autumn Maple – eine typische Herbstfarbe eben – und zarte Pfirsichtöne wie Copper Tan und karamelliges Beige-Braun in Toast und Butterum ergänzen diese Reihe. Und dann wäre da noch Otter… hmm. Otter sind nette Tier, aber diese Farbe, irgendwo zwischen Grün, Schlamm und Braun, hmm…

In Sachen Blau wird es leuchtend mit Marina, etwas heller mit Blue Bell und klassisch dunkel mit Navy Peony – was eine Pfingstrose mit Blau zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz. Endlich findet sich mit Royal Lilac auch eine meiner alten Lieblingsfarben wieder – ein strahlendes „echtes“ Lila – kein Aubergine, kein Veilchen-Violett, nein richtiges durch und durch knalliges Lila.

Grün ist in dieser Saison eher Gelb: Golden Olive und Golden Lime verraten schon im Namen, dass Grün hier die untergeordnete Rolle spielt. Es sind freundliche, warme Farben, die im Herbst zusammen beispielswiese mit Autumn Maple und Copper Tan nicht fehlen dürfen. Deshalb nenne ich hier auch gleich den einzigen Gelbton, der sich nahtlos anschließt: Lemon Curry – ein Hauch von Exotik für ein ansonsten eher biederes Goldgelb. Auch wieder und schon lange dabei: Petrol! Aaach, ich liebe diese Farbwelt, in allen Varianten von Mint über Türkis bis zum dunklen Grünblau. Shaded Spruce (sowas wie „schattige Fichte“) ist ein richtig edles Blaugrün, das ich mir am liebsten in Samt, Nicki und Satin vorstelle.

Zum Schluss bleibt noch GrauNeutral Gray ist die nichtssagende Bezeichnung für ein ziemlich nichtssagendes neutrales Mausgrau. Tja, gut zu kombinieren oder, wie in den Shows gezeigt, auch in der Totale von Kopf bis Fuß. Frau muss es nur zu tragen wissen.

Ganz geringe Unterschiede sorgen dafür, dass uns die Farbtrends immer wieder, Saison für Saison, neu vorkommen. Die fantasievollen Namen inspirieren, umgeben die Farben mit dem geheimnisvollen Flair des internationalen Modemarkts und einer Aura von Glanz und Glamour. Apropos Glamour: hier findet Ihr alle Trendfarben mit Designbeispielen gut zusammengefasst und vor allem auch Trage- und Kombitipps dazu!

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